::GESCHICHTE::

Die frühen Anfänge:
Die ältesten Nachrichten über Bemühungen um eine Apotheke in Untertürkheim liegen beinahe 160 Jahre zurück.Das mit dem Marktrecht ausgestattete damalige Pfarrdorf Untertürkheim hatte um diese Zeit ungefähr 1750 Einwohner. Im Jahre 1813 hat sich erstmals ein auf einer Universität ausgebildeter Mediziner,Dr.med.Gottlieb Friedrich Schmauk in Untertürkheim niedergelassen. Dieser Dr. Schmauk hatte sich allem Anschein nach eine (amtlich nicht genehmigte) Hausapotheke zugelegt und sich auch selbst mit der Zubereitung von Arzneien etc. beschäftigt. Dies wurde der Aufsichtsbehörde,der königlichen Landvogtei am Roten Berg bekannt. Der Landvogteiarzt Dr.med.Riecke aus Stuttgart wurde im Oktober 1815 beauftragt,eine unvermutete Visitation dieser Hausapotheke vorzunehmen.Er hat dort 125 Arzneien nebst meheren Pflastern und Salben gefunden. Manche dieser Arzneien wurden von ihmals schlecht beschaffen oder falsch signiert eingestuft.Der grössteTeil wurde als für Notfälle nicht geeignet qualifiziert.Daraufhin wurde ein Verbot dieser Hausapotheke sowie die Untersagung zur Herstellung von Arzneien ausgesprochen. Dr.Schmauk wurde gleichzeitig die Ausübung der niederen und der höheren Chirurgie untersagt, da er hierin ebensowenig wie in der Entbindungskunst geprüft war.


Die erste Apotheke - eine Filialapotheke
Zu dieser Zeit hatten sich die zwei damaligen Cannstatter Apothekeninhaber zusammengetan und um eine Genemigung nachgesucht,in Untertürkheim eine Filialapotheke zu errichten. Im Jahre 1840,also vor 150 Jahren erteilte die Regierung für den Neckarkreis den beiden Apothekern die Erlaubnis zur gemeinsamen Einrichtung einer durch einen Provisor zu betreuenden Filialapotheke in Untertürkheim. Diese Offizin wurde dann in augenscheinlich nicht sehr geeigneten Räumen im westlichen Aussendorf aufgetan und betrieben.Die beiden Apotheker aus Cannstatt konnten 1858 das Haus Ecke Landstrasse und Unten im Dorf für 8300 Gulden erwerben. Damit war der Bestand der Apotheke an diesem Platz gesichert. 1858 wurde die Offizin dann in das dreistöckige Haus am Marktplatz Ecke Landstrasse/Unten im Dorf (heute Ecke Grossglocknerstrasse/Augsburger Strasse) verlegt,in dem sich heute immer noch die Alte Apotheke Untertürkheim befindet. Dieses gegn 1770 erbaute Gebäude beherbergte bis 1840 die Gemeinde und Amtskanzleien des bis 1846 amtierenden Ortsvorsteher Georg Fr. Brodbek. Damals hatte die Gemeindeverwaltung etwa 140 Meter weiter nordöstlich ein grösseres,aus dem 16. Jahrhundert stammenden und schon 1816 von der Hofkammer erworbenes,vormalig herrschaftliches Gebäude,an der Strasse „Unten im Dorf",umbauen und einrichten lassen. Seit bald 150 Jahren dient nun dieses Gebäude als Untertürkheimer Rathaus.


Der Weg zur ordentlichen Voll-Apotheke
Im Herbst 1854 hatte die Untertürkheimer Gemeindeverwaltung bei der Regierung für den Neckarkreis die Erhebung der seit 14 Jahren bestehenden Filialapotheke in eine selbstständige (mit Personalkonzession) beantragt.Dieses Anliegen blieb zunächst ohne Erfolg. Erst gegen Ende des Jahres 1858 war die Angelegenheit wieder in Bearbeitung genommen worden. Der Oberamtsarzt vermerkte seinerzeit in seiner Aeusserung zu dieser Angelegenheit,dass sich die Anzahl der durch die Filialapotheke belieferten Rezepte von 2325 im Jahre 1854/55 auf 4360 im Jahre 1857/58 erhöht habe. Im Sommer 1859,Untertürkheim hatte zwischenzeitlich ca.2300 Einwohner,bewarb sich der Apotheker Julius Sallmann (1818-1899) um die Personalkonzession für die Apotheke in Untertürkheim.Am 26. Juni 1860 hat dieser dann die längst fällige Konzession zur Vollapotheke erhalten.Er konnte das bisherige Apothekengebäude samt Einrichtung und Warenvorräten von den Vorbesitzern für 10900 Gulden erwerben und hat am 1.Januar 1861 seine fertig eingerichtete, selbstständige Apotheke in Untertürkheim eröffnet. Im Jahre 1889,Julius Sallmann war inzwischen siebzig Jahre alt,setzte dieser als Verwalter der Apotheke den Apotheker Julius Abt (1854-1896) ein.Dieser heiratete 1890 Julie L.E.Sallmann, die Tochter des Altapothekers.Von den drei Kindern dieser Ehe hatte auch Hans Abt den Beruf des Apothekers ergriffen.Er ist jedoch seit 1920 verschollen.


Die Alte Apotheke Untertürkheim
Nachdem Juilius Abt schon im Alter von 42 Jahren verstarb,setzte sein Schwiegervater den damals in Calw tätigen Apotheker Eugen Pfleiderer (1862-1940) ein. Dieser führte die Apotheke von 1896-1902.Da im Jahre 1902 Untertürkheim aus dem Verband des Oberamts Cannstatt aus- geschieden und als Vorort nach Stuttgart eingemeindet worden war,verkauften die Erben des im Alter von 81Jahren verstorbenen Apothekers Julius Sallmann im Oktober 1902 die Apotheke samt Gebäude,Einrichtung und Warenlager für 65000DM an den aus Göppingen stammenden Apotheker Samuel Zluhan (1854-1938). Dieser hatte seit 1886 die Apotheke in Lonsee (Kreis Ulm) verwaltet,wo er sich im Jahre 1886 mit der Apothekerstochter Pauline Auguste,geb.Schäffer,der Witwe des bei einem Autounfall verunglückten Lonseer Apothekers Theodor Niethammer,verheiratet hatte.Im Alter von 78 Jahren übergab er die Apotheke an seinen Stiefsohn,den Apotheker Dr.rer.nat.Eduard Niedhammer (1882-1949) weiter. Dieser führte auch den Namen „Alte Apotheke"ein. Nachdem die Wirren des II.Weltkrieges überstanden waren,waren in den Jahren 1949 und 1950 in der Alten Apotheke verschiedene Verwalter beschäftigt.Im Jahre 1951 übernahm der Sohn von Dr. Eduard Niethammer,der Arzt und Apotheker Dr.med.Günther Niethammer (geb.1925),die Alte Apotheke.Im Alter von 61Jahren verkaufte dieser die Apotheke an die Apothekerin Beate B. Merz-Hammel,die heutige Besitzerin.Diese ergänzte die alte Firmierung mit dem Zusatz „Untertürkheim", da sich zwischenzeitlich in Stuttgart mehrereApotheken „Alte Apotheke" nennen, und baute in der Zeit von Oktober bis November 1986 die Geschäftsräume in ihre heutige Form um.